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Sonntag, 26. Juli 2020

Auf halbem Weg

Mir fiel letztens auf, dass ich noch gar nicht von Halfway berichtet habe. Dabei handelt es sich um ein rundenbasiertes Taktikspiel, das ich mal zufällig bei GOG erstanden habe.
2015 lief die "Indie Piñata Mystery Game"-Aktion und für 3 $ (circa 2,69 € zum damaligen Kurs) konnte man eine solche Piñata erstehen. So kam ich für kleines Geld an Halfway (aktueller Preis bei GOG immerhin 9,99 €).

Ich bin ja ein großer Freund gut gemachter Pixelgraphik (mag wohl auch am Alter liegen) und in dem Punkt kann das Spiel voll punkten. Tolle Optik durch und durch, ein stimmiger, kohärenter Stil und nette Animationen sind ein Fest für das (pixelaffine) Auge. Und nicht nur die Augen, auch die Ohren werden verwöhnt. Das Spiel hat einen überraschend großartigen Soundtrack zu bieten, der schön atmosphärisch untermalt und auch in den Kämpfen für die passende Stimmung sorgt. Obendrein wird der Soundtrack als zusätzlicher Download mitgeliefert, was einen dicken Pluspunkt gibt.

Das Spiel selbst ist nicht immer ganz einfach (ich bin allerdings auch nicht gerade der Taktiker), bleibt dabei aber an sich immer recht fair. Lediglich beim Endkampf musste ich auf etwas "billige Tricks" zurückgreifen und eine Sonderfähigkeit eines Charakters ausnutzen. Der kann alle paar Runden einen gezielten Schuss mit quasi unendlicher Reichweite abgeben, der auch noch garantiert trifft. Durch einen Spalt im Boden kamen die Gegner nicht an meine Truppe heran, was das Ganze zu einer reinen Zeitfrage machte.
Trotzdem hat mir Halfway echt Spaß gemacht, auch weil die Geschichte um Aliens, die das Raumschiff während Raumsprüngen entern, nett erzählt ist und sich sogar für ein paar Charaktermomente Zeit genommen wird.

Fuck you, Tinder

Heute Mittag habe ich meinen Tinder-Account gelöscht. Ziemlich angepisst. Oh, es könnte sein, dass ich in diesem Post etwas verschissen viel fluche.

Wieso hatte ich überhaupt einen Account bei dem Drecksladen? Im Endeffekt hat das mehr als Scherz angefangen, als eine Freundin meinte, das könnte mir helfen, jemanden kennenzulernen.
Mein altes Gammel-Smartphone zu dem Zeitpunkt konnte nicht einmal die verkackte App starten, was schon Zeichen genug hätte sein müssen. Allerdings lässt sich der Rotz auch per Webseite benutzen, sodass ich mich darauf verlegt habe.

Was mir direkt auffiel, ja gerade zu ins Gesicht gekotzt hat, ist die un-fucking-fassbare Oberflächlichkeit dieses beschissenen Services. Du kannst ein ganzes Dutzend Bilder von dir hochladen (da komme ich gleich noch zu) und dann wahnsinnige, geradezu exorbitant massive 500 (ja, fünf-scheiß-hundert!) Zeichen als Profiltext eingeben. Zum Vergleich: Nach dem zweiten Absatz dieses Posts war ich schon mehr als 50 Zeichen drüber. Da kannste natürlich schön detailliert deine komplette Lebensgeschichte niederschreiben … Der Text wird übrigens auch erst angezeigt, wenn man bewusst klickt. Was vermutlich erklärt, warum es so wenig ist, weil sich das eh kein Arsch durchliest, wenn er oder sie stattdessen schlampige Bilder hin und her wischen kann.
Mir ist natürlich klar, dass Tinder gar nicht erst damit wirbt, eine ernsthafte Partnervermittlung sein zu wollen, sondern vielmehr eine Anlaufstelle für läufige Singles (oder drecksverhurte Fremdgeher) darstellt, die sich durch die Bevölkerung vögeln wollen. Trotzdem gibt es viel zu viele Profile, in deren Beschreibungstext nur nach "etwas ernstem" gesucht wird. Mag sein, dass ich ganze Kacke am Ende selber etwas zu ernst genommen habe, aufregen tut mich die Scheiße trotzdem.

Die Profile kann man grob in mehrere Kategorien einteilen:
Da gibt es die ehrlichen, die auf den Photos schon so einen notgeilen Blick drauf haben und auch in ihrem Text (wenn denn einer vorhanden ist) ihr Gesuch äußern, endlich mal wieder "richtig gefickt" werden zu wollen. Mal drüber nachgedacht, dass euch das Leben scheinbar sowieso schon gefickt hat, wenn ihr bei Tinder nach sowas suchen müsst?
Dann sind da die ganz klaren Lügner, mit Photos schön von oben in die Tiefen des Ausschnitts, bei dem man direkt feststellen kann, ob sie komplett rasiert sind oder noch ein Streifchen vorhanden ist - aber im Text will man von "ONS oder F+" natürlich nichts wissen. Meine Fresse. Verpisst euch, ihr Fotzen.
Supersportler in trendigen Outifts und Posen sind natürlich en masse vorhanden. Ob nun Bouldern, (Kite) Surfen, Pole Dancing oder - ganz besonders beliebt - Yoga - sie sind alle dort zu finden. Und selbstverständlich ist man auch sonst ganz doll aktiv unterwegs und so. Und immer schön den Arsch in der engen Leggings in die Kamera halten, aber wehe, da guckt einer hin oder kommentiert das auch noch! Ihr Ficker.
Eben schon erwähnt, aber an sich noch eher eine eigene Katgeorie, sind die Yoga-Girls. "Schaut her, ich hampel hier total kunstvoll vor einem Sonnenuntergang am Strand rum!" Mädel, willst du Werbung für irgendwas machen oder ficken? Dann noch einen mit leicht pseudo-esoterisch angehauchten Schlagwörtern durchsetzten Profiltext dazu ("spirituell", "open minded" sind die beliebtesten) - Voilà! Bitte hier auf diese Yoga-Matte kotzen.
World Traveler (weil deutsch ist ja so out) sind auch ganz groß. Am besten noch auf einer (eigenen) Segelyacht posieren, um auch ja deutlich zu machen, dass Geld für sie kein Problem darstellt. Immer unterwegs, immer aktiv, aber ach ja, Kinder wollen sie schon ganz gerne an sich. Kein Ding, im Zweifel einfach über Bord werfen, wenn es einem dann doch zu eng wird auf der Yacht. Ich muss mehr essen, ich kann schon gar nicht mehr weiter kotzen...
Eine äußerst subtile Kategorie sind auch die Frauen, die sich gerne mit Luxus umgeben, aber selber nicht über die ausreichende finanzielle Grundlage verfügen. Auf den Bildern daher auch immer mit einem Gläschen Sekt - Entschuldigung, ich meinte natürlich Champagner! - zu sehen, zu engem Kleid, aggressivem Make-up und teuren Accessoires suchen sie nach gut situierten Männern, von denen sie sich aushalten lassen können für gelegentliche sexuelle Dienstleistungen. Hans, get ze Flammenwerfer!
Richtiggehend spannend wird es bei denen, die das verkackte Prinzip nicht verstanden haben. Noch mal kurz zur Erinnerung: Man kann eine ganze Menge Photos einstellen, die auch direkt angezeigt werden, das bisschen Text (sofern überhaupt vorhanden), erst nach einem zusätzlichen Klick. Wenn dann ein Bild von einer Blüte, irgendeine pseudo-relevante Graphik, eine einfarbige Fläche oder immerhin ein Photo von hinten als einziges Bild vorhanden ist, möchte ich nicht meinen Kopf auf die Tischplatte schlagen, sondern deren. Möglichst mehrfach, bis es vielleicht doch noch 'Klick!' macht. Das ist eine scheiß-oberflächliche Kack-App, die in allererste Linie über Photos funktioniert. Ihr kriegt nicht einmal das gebacken? Und dann die Begründungen (ich war ja manchmal schon neugierig): "Ich bin bekannt, deswegen erst mal kein Photo" - dann nutz doch nicht die App, du verblödetes Etwas! "Ich will erst mal sehen, ob jemand ernsthaft an einer Unterhaltung interessiert ist" - aber ich will doch wissen, mit wem! Gehst du auch nur mit einer Tüte über dem Kopf nach draußen? Vielleicht, und vielleicht ist das besser so... Mann, Mann, Mann, schon mal was vom ersten Eindruck gehört? Der ist bei euch Blitzbirnen natürlich hervorragend.
So ein ganz paar tatsächlich nette, mindestens halbwegs natürliche Profile gibt es auch, allerdings sind die derart in der Unterzahl, dass es kaum lohnt, zu warten, bis Tinder sich entscheidet, einem ein solches anzubieten.

Wenn es dann doch mal zu einem Match kommt, wird es erst so richtig interessant. Was passiert? Tja, in den meisten meiner Fälle genau gar nichts. Man ist ja im Internet unterwegs und da ist es völlig egal, ob man sich verhält wie ein Arschloch - so zumindest der Anschein (gilt natürlich nicht nur für Tinder). Heißt im Klartext: Obwohl ein Match nur zustande kommt, wenn beide nach rechts gewischt - also "geliked" haben - kann das jederzeit von einer der beiden Parteien wieder gelöscht werden, auch grundlos. Man könnte natürlich eine Nachricht an die betreffende Person schreiben, dass man sich "verwischt" hat oder erst im Nachhinein auf die glorreiche Idee kam, den Profiltext zu lesen, aber das ist wohl zu viel Arbeit. Und wie bereits erwähnt, im Internet ist Höflichkeit ja generell eher unbekannt.
Sowas kann auch mal mitten in einer Unterhaltung passieren, so wie bei mir zuletzt und der Auslöser für das Löschen meines Accounts und das endgültige Verfassen dieses Beitrags (geplant ist der schon länger). Manchmal habe ich mich schon gefragt, ob den Mädels bewusst ist, dass nicht nur das Match, sondern auch die Nachrichten gelöscht werden.

Eine Kleinigkeit bei der ganzen Kack-Geschichte war durchaus unterhaltend: Mit einem Kumpel per Skype zu schnacken, parallel ein Gläschen zu trinken und nebenbei bei Tinder zu wischen. Da konnte man sich dann auch über die ganz besonderen "Highlights" unterhalten oder mal den einen oder anderen Screenshot austauschen. Rechtfertigt aber definitiv nicht das Fortbestehen meines Accounts, also weg mit der Scheiße!

Mittwoch, 15. Januar 2020

Life IS strange!

Zumindest, wenn man in der Haut von Chloe Price steckt.
Bereits in Life is Strange begleitete sie als beste Freundin von Max(ine) Caulfield den Spieler. Die sehr emotionale Geschichte um Verlust und die Angst davor, sowie den großen und kleinen Nöten des Erwachsenwerdens und der damit zusammenhängenden Verwirrung und Schwierigkeit, sich in der Welt zurechtzufinden wurde noch gewürzt mit der Fähigkeit der Protagonistin, die Zeit zurückdrehen zu können.
Mehr und mehr entdeckte Max außerdem die Abgründe von Arcadia Bay und der Blackwell Academy. Ein psychotischer Schüler, ein besessener Photograph und ein vermisstes Mädchen, das später tot aufgefunden wurde, waren nur der Vorgeschmack für ein katastrophales Finale. Am Ende musste Max sich entscheiden - rettet sie ihre Freundin, die sie über alles liebt oder ihre Heimatstadt? Keine leichte Entscheidung, wie so einige im Spielverlauf.
Klar kann man das als Teenie-Drama abtun - aber man kann sich auch einfach darauf einlassen und das Spiel genießen und mitfiebern und mitleiden. Ich bin ja sowieso jemand, der sich für derartige Geschichten begeistern kann (auch wenn man mir das vermutlich nicht unbedingt glauben würde), insofern hat mir auch Life is Strange sehr gefallen. Der toll ausgewählte Soundtrack und auch der Score haben mal wieder einen großen Anteil daran gehabt. Kann ich nur empfehlen, zum Beispiel mal bei einem Streamingdienst reinzuhören.

In Life is Strange: Before The Storm ist Chloe dann die vom Spieler gesteuerte Protagonistin, spielt dieser Teil doch circa drei Jahre vor der Rückkehr von Max Caulfield nach Arcadia Bay.
Seit ihr Vater knapp zwei Jahre vor Spielbeginn bei einem Autounfall ums Leben kam, hat sich Chloe stark verändert. Das an Wissenschaft interessierte Mädchen wurde zu einem zynischen, rebellischen Teenager, der absolut gar nicht begeistert darüber ist, dass seine Mutter eine neue Liebe gefunden hat. Erst recht nicht, da es sich - ihrer Meinung nach - um einen militaristischen Faschist handelt.
Darüber hinaus scheint der Kontakt zu Max vor ein paar Monaten abgebrochen zu sein. Chloe legt sich deshalb ein Tagebuch an, das sich (ähnlich wie in Life is Strange) während des Spielverlaufs füllt mit Briefen an Max. Die sind mal berichtend, mal anklagend, mal amüsant, mal traurig.
Genauso entwickelt sich auch die unwahrscheinliche Beziehung zwischen Chloe und Rachel Amber, einer der populärsten Schülerinnen von Blackwell. Nach einer völlig unerwarteten Begegnung auf einem Konzert gleich zu Spielbeginn trifft Chloe am nächsten Tag wieder auf Rachel, die sie überredet, den Unterricht zu schwänzen und lieber Zeit mit ihr zu verbringen. Die anschließenden Stunden sind eine Achterbahn der Gefühle, denn nach der anfänglichen Vertrautheit zwischen den beiden Mädchen reagiert Rachel plötzlich abweisend und lässt Chloe ratlos, wütend und traurig auf dem Schrottplatz zurück.
Nachdem später der Grund für Rachels plötzliche Gefühlsschwankung erklärt ist, planen sie und Chloe, aus Arcadia Bay zu verschwinden. Beim Abendessen mit Rachels Eltern kommt es jedoch zu einem Gefühlsausbruch, der mit einer Erklärung von Rachels Vater für dessen Verhalten endet. Dessen vermeintliches Fremdgehen entpuppt sich als eine viel größere Sache und in der Folge versucht Chloe, Rachel dabei zu helfen, ihre leibliche Mutter zu treffen.
Dieser Versuch endet zwischenzeitlich desaströs mit einer Messerattacke auf Rachel, die gerade noch rechtzeitig von Chloe ins Krankenhaus geschafft werden kann. Dort bittet Rachel sie allerdings, weiter nach ihrer Mutter zu suchen. Chloe kommt dem Wunsch nach und findet noch eine weitere Schicht von Lügen und Verheimlichungen. Rachels Vater arbeitete mit dem Kriminellen zusammen, der auch Rachel mit dem Messer angriff. Er wollte dafür sorgen, dass Rachels Mutter für immer aus dem Weg geräumt wird. Diese Erkenntnis trifft Rachel, wenn man als Spieler die Entscheidung trifft, ihr davon zu erzählen, natürlich extrem hart.
Trotzdem oder gerade wegen dieser gemeinsam durchlebten Ereignisse verbringen die beiden Mädchen weiterhin viel Zeit miteinander und festigen ihre Beziehung - bis zu dem grausamen Ereignis, das ganz am Ende, noch nach dem Abspann des Spiels, angedeutet wird. Spieler von Life is Strange wissen, dass Rachel zum Zeitpunkt der Rückkehr von Max nach Arcadia Bay bereits tot ist. Ihr angedeuteter letzter Moment in Jeffersons Photo-Bunker trifft den Spieler dennoch heftig in die Magengrube nach all den vorangegangen Bildern. Holt man den ursprünglich ersten Teil der Reihe im Anschluss nach oder spielt in erneut, kann man Chloe nur noch besser verstehen, die bereits zum zweiten Mal in ihrem jungen Leben mit einem derartigen Verlust konfrontiert wird.

Ähnlich brachial endet die Bonus Episode "Farewell", die im September 2008 spielt. Max ist noch in Arcadia Bay und zu Besuch bei Chloe - um ihr von dem bevorstehenden Umzug ihrer Familie nach Seattle zu erzählen. Allerdings spielen die beiden erst noch eine Piratengeschichte, wie vor mehreren Jahren schon. Dabei vergruben sie damals einen Schatz im Garten, den sie nun wiederfinden wollen.
Die ganze Episode ist ein einziger, langer, bittersüßer Abschied - sowohl für Max und Chloe, als auch für den Spieler, denn ist wohl das letzte Mal, dass wir die Mädchen in einem Spiel sehen. Hier und da finden sich einige Anspielungen zu Life is Strange wieder, nicht nur durch den Ort und die Charaktere selbst, sondern auch Kleinigkeiten wie etwa die Schneekugel auf dem Kaminsims.
Und spätestens, wenn die beiden Mädchen im Wohnzimmer angekommen sind und Chloe in einem Nebensatz erwähnt, dass ihre Eltern eigentlich schon zu Hause sein wollten, weiß der Spieler, wie diese Episode endet. Es ist nämlich der Tag, an dem Chloes Vater stirbt. Zum Ende kommt dann auch ihre Mutter mit genau diesen schrecklichen Neuigkeiten heim. Auch Max ist davon hart getroffen.
Umso grausamer ist dann ihr Abschied von Chloe auf der Beerdigung, von der aus ihre Familie direkt nach Seattle fährt. Erst Jahre später kehrt sie nach Arcadia Bay und damit zu Chloe zurück.

Gerade die Geschichte um Rachel und ihre Beziehung zu Chloe fand ich toll, weil in Life is Strange eben nur noch posthum über Rachel berichtet werden kann. Es zeigt sie aus einer anderen Perspektive, als die Erzählungen und Gerüchte einen glauben lassen wollen. Es ist natürlich nicht gänzlich unmöglich, dass sie in der Zeit zwischen Before The Storm, das 2010 spielt, und dem chronologischen Nachfolger (2013) eine Wandlung durchgemacht hat. Möglicherweise wurde das auch zusätzlich bedingt durch die Ereignisse, die sich nach ihrer Begegnung mit Chloe zugetragen haben. Dennoch scheint einiges von dem, was Max über sie erfahren kann, zumindest unwahrscheinlich oder doch recht vage. Ohne wirklich offizielle Informationen spekulieren auch die Spieler der Serie teils sehr detailliert über den Charakter und ihre Motive.

Interessant ist, dass Before The Storm das übernatürliche Element fehlt, das Max in Life is Strange verkörperte. Hier und dort scheint es kleinere Anzeichen für mögliche Einflüsse oder gar Kräfte zu geben, aber nie wird direkt davon Gebrauch gemacht. So hat Chloe zum Beispiel prophetische Träume, in denen ihr verstorbener Vater sie unterstützt, wodurch sie Rachel am Abend im Park wiederfindet.
Rachel dagegen wird oft mit Feuer in Verbindung gebracht - nicht nur, weil sie für den Großbrand verantwortlich ist, sondern auch wegen der Art und Weise. Als sie den brennenden Mülleimer umtritt, schreit sie in die gleiche Richtung, wobei um sie herum der Wind scheinbar plötzlich ebenfalls in diese Richtung weht und das Feuer so anfacht. Darüber hinaus scheint der Großbrand urplötzlich zu erlöschen, als Rachel mit der Messerwunde ins Krankenhaus kommt.
Schaut man sich ein wenig in Foren zu dem Thema um, kann man mit Sicherheit noch mehr und noch deutlich absurdere Theorien finden. Fakt ist, dass die Spiele wunderschön geschrieben und vertont sind - sowohl auf Seiten der Figuren als auch des Soundtracks. Die eigens dafür geschriebenen Stücke als auch die lizenzierten Tracks sind stets passend eingesetzt und oft mehr als nur leicht melancholisch, was mir ja immer wieder gefällt. Auf YouTube habe ich eine Playlist mit dem Soundtrack zu Before The Storm gefunden, die auch beim Schreiben dieses Posts lief. Gerne mal reinhören.

Sonntag, 12. Januar 2020

Schon wahr, irgendwie

Ich mag ja die Jungs von Cyanide & Happiness. Immer wieder bringen sie neue, großartige Comic Strips raus, die mich in den meisten Fällen zum Lachen bringen durch ihren sehr dunklen Humor. Bisweilen kommen auch richtiggehend emotionale Comics heraus, die gerne mal mehr in Richtung Magengrube zielen, besonders, wenn es wieder heißt "Depressing Comic Week".
Die Zeichner scheuen sich auch nicht, immer mal wieder ältere Werke zu zitieren in sozialen Netzwerken. So geschehen kürzlich mit diesem Strip. Und ach, wie viel Wahrheit in diesem kleinen, simplen Comic steckt. Es sind eben die einfachen Dinge...

Samstag, 4. Januar 2020

Mal ein kurzer Blick zurück

So. Nun sind wir also in den 2020ern angekommen. Die ersten 20 Jahre dieses Jahrtausends sind rum. Plötzlich sind die 90er verdammt weit weg, wenn man so drüber nachdenkt.
Aber so weit will ich gar nicht zurückblicken, ein kurzes Resümee für 2019 soll mir fürs Erste reichen. Es ist im letzten Jahr auch genug passiert, um darüber zu berichten (was ich im Einzelfall auch bereits getan habe). Außerdem hatte ich mir von mir für mich gewünscht, hier wieder mehr zu schreiben. In Summe habe ich letztes Jahr fast so viele Posts erstellt wie in den gesamten fünf Jahren davor zusammen, das ist doch schon mal was. Und jetzt gleich schon der zweite Post zu Jahresbeginn, wenn das kein gutes Zeichen ist.

Am meisten getan hat sich für mich 2019 auf jeden Fall in beruflicher Hinsicht.
Zu Beginn des Jahres arbeitete ich noch bei onstage & sports und war im Theater an der Elbe unterwegs. Als Teamleiter war ich quasi permanent im Einsatz und wir haben nicht umsonst gewitzelt, dass wir fast im Theater wohnen würden. Allerdings war das Ende zu diesem Zeitpunkt bereits absehbar, und zwar nicht nur, weil ich mein Studium in 2019 endlich beendet haben würde.
Es war nämlich ein Insolvenzverfahren am Anlaufen, weil die Stage Entertainment ihre Exklusivverträge mit OSS gekündigt statt verlängert hatte. Das bedeutete im Klartext, dass alle Mitarbeiter von onstage & sports mit dem letzten Vertragstag ihre Jobs verloren. Erst war Juli als der letzte Monat festgesetzt worden, später wurde dies noch bis August verlängert. Mit dem 31. 08. 2019 endete also mein Arbeitsvertrag durch die Insolvenz der Firma, bei der ich fast fünf Jahre gearbeitet hatte.

Zu Beginn des Jahres hatte ich endlich ernsthaft meine Bachelorthesis ins Auge gefasst. Gleich im Januar nahm ich sogar drei Wochen Urlaub, um mich konzentriert an die Bearbeitung machen zu können. Letztlich war es dann doch erst am 11. April so weit: Ich gab die drei gebundenen Hefte im Studierendensekretariat ab. Damit lag es dann nicht mehr in meiner Hand (sprichwörtlich). Bis zur "Benachrichtigung" über die Benotung meiner Thesis (ich berichtete separat) verging dann etwas Zeit, während der ich nicht nur weiter im Theater arbeitete, sondern mir auch langsam Gedanken um meine weitere Zukunft machte.
Im Juni konnte ich dann meine Urkunde sowie die weiteren Unterlagen abholen, die mir bescheinigen, den Titel "Bachelor of Science" rechtmäßig verwenden zu dürfen - nicht, dass ich mir da jetzt viel drauf einbilden würde. Immerhin finde ich, dass sich mein Notenschnitt mit 1,31 sehen lassen kann. Wenn ich da an mein Abitur denke...

Spätestens mit meinem Bachelorzeugnis in der Hand mussten meine Überlegungen, meine berufliche Zukunft betreffend, dann deutlich konkretere Formen annehmen. Ich war mittlerweile auch von meiner ursprünglichen Planung, in der Spieleentwicklung zu arbeiten, etwas abgerückt. Letztlich ging es mir darum, Software zu entwickeln - was nicht zwingend Spiele sein müssen. Aus diesem Grund bewarb ich mich dann bei verschiedenen Entwicklungsfirmen. Dank der Möglichkeiten des Internets war die Auswahl groß genug und bot (und bietet) verschiedenste Felder - kleine, unabhängige Entwickler als Start-up, inhabergeführte, mittelständische Unternehmen, große Softwarehäuser und natürlich auch Personaldienstleister. Über Stepstone stieß ich auf mehrere Unternehmen, die mich ansprachen.
Nach ein paar Bewerbungen gingen auch die ersten Rückmeldungen ein. Neben den erwarteten Absagen gab es dann auch positive Meldungen. Unter anderem zeigte sich eine Firma in Reinbek interessiert an der Zusammenarbeit mit mir. Die Firma heißt Mediaform und wurde im weiteren Verlauf tatsächlich mein neuer Arbeitgeber - allerdings erst im November.
Nachdem nämlich zu Anfang geplant war, mich im Oktober einzustellen, verschob sich der Beginn noch um einen Monat. Dies bedeutete für mich allerdings zwei Monate statt einem Monat Leerlauf zwischen dem Ende bei onstage und dem Neustart bei Mediaform.
Um diese finanzielle Durststrecke etwas zu überbrücken, startete ich eine kurze Internetrecherche. Recht schnell wurde ich fündig, was kurzfristige Arbeit anging. Online konnte ich mich bei einem Zeitarbeitsunternehmen durch einen Anmeldeprozess klicken, was angenehm einfach und komfortabel war. Nur ein paar Tage später schon erhielt ich dann einen Anruf von einer Vermittlerin. Nachdem die letzten Details geklärt waren, konnte ich in der darauffolgenden Woche auch schon anfangen.
Ende September startete ich bei New Yorker im Elbe Einkaufszentrum als Aushilfe und blieb dort ein paar Wochen. Das Team dort ist total gut drauf und so machte auch die vergleichsweise einfache und durchaus repetitive Arbeit immer genügend Spaß.
Etwas anspruchsvoller wurde es dann bei Sport Scheck in der Mönckebergstraße. Nicht nur ist das Sortiment auf vier Stockwerken deutlich größer, auch die Artikel selbst sind vielfältiger. Schon alleine die Bekleidung für die verschiedensten sportlichen Unternehmungen sorgte teilweise für Verwirrung (niemand, wirklich niemand braucht so viele verschiedene Sorten an Leggings). Dazu kommen dann noch die ganzen anderen kleinen und größeren Artikel wie Lampen, Walkingstöcke, Kletterseile, Rucksäcke, Trainingsbänder und mein ganz persönliches Highlight zum Schluss: Skischuhe. Auch bei Sport Scheck waren mir die Kollegen durch die Bank sympathisch - und man war sogar fast traurig, als ich Ende Oktober gehen "musste".

Am 04. November trat ich dann meinen ersten Arbeitstag bei Mediaform an. Der Monatserste war im vergangenen Jahr ein Brückentag dank des neuen Feiertags am 31. Oktober, sodass ich noch ein verlängertes Wochenende genießen konnte, bevor es losging.
Die tägliche Fahrt nach Reinbek (und zurück) nimmt natürlich nicht wenig Zeit in Anspruch, allerdings habe ich den unschätzbaren Vorteil, dass ich die meiste Zeit in ein und derselben S-Bahn verbringen kann. Nur zu Beginn und am Ende der Strecke muss ich ein paar Stationen mit dem Bus fahren. Der Vorteil an der langen S-Bahn-Fahrt liegt in der Tatsache begründet, dass ich zwischendurch nicht umsteigen muss und so keine Gefahr laufe, einen Anschlusszug zu verpassen. Die lange Fahrt kann ich also nutzen, um beispielsweise Bücher zu lesen, womit ich auch schon vorher angefangen hatte, als ich noch im Theater arbeitete. Bei den im Vergleich deutlich kürzeren Fahrten schaffte ich allerdings bei weitem nicht so viele Seiten wie jetzt. Seitdem ich meine Arbeit in Reinbek aufgenommen habe, konnte ich schon sechs oder sieben Bücher durchlesen.
Grundsätzlich freue ich mich natürlich am meisten über die (wiedergewonnene) Stabilität in meinem Alltag. Auch wenn ich selbstverständlich noch eine Probezeit überstehen muss, bin ich doch optimistisch, dass ich dies schaffen werde. Und mein Vertrag wurde auch direkt unbefristet angelegt, insofern mache ich mir da wirklich keine Sorgen. Mit der Stabilität einher geht dann auch der (erste) Start der Schuldentilgung. Beim KfW genieße ich noch eine Schonfrist bis die erste Rückzahlung getätigt werden muss, bei der Deutschen Bildung habe ich bereits zwei Raten gezahlt. Unschön, jeden Monat eine nicht ganz geringe Summe von meinem Konto entschwinden zu sehen, aber ein verdammt gutes Gefühl, den glücklicherweise nicht weiter wachsenden Schuldenberg endlich in winzigen Schritten schrumpfen zu sehen.

Auch ein gutes Gefühl war es, mein altes Java-Buch (Java von Kopf bis Fuß) mal wieder in die Hand zu nehmen. Tatsächlich habe ich sogar wieder von vorne angefangen, mich durch die Kapitel zu arbeiten, um wieder ein wenig in die Java-Programmierung reinzukommen. Schöne Sache und mittlerweile bin ich auch weiter, als ich vorher war. Wenn ich mich nicht selbst aufhalte, sollte ich auch die letzten Kapitel bald durchgearbeitet haben.
Nicht nur an dem Buch, auch an einem - auf Java in Verbindung mit HSQLDB basierenden - Datenbankprojekt habe ich im letzten Jahr gearbeitet. Dieses Projekt soll die Voraussetzung für gleich drei Anwendungen werden, mit denen ich verschiedene Teile meiner Sammlungen katalogisieren und speichern will. Einen guten Anfang habe ich schon gemacht, in diesem Jahr werde ich weiter daran arbeiten und vielleicht schon zu ersten brauchbaren Ergebnissen kommen.

Zu Beginn des Jahres gab es sogar ein wenig Herzschmerz, worauf ich aber gar nicht näher eingehen will (heute also mal kein selbstmitleidiger Post, außerdem habe ich das mehr oder weniger schon entsprechend behandelt). Ansonsten blieb es auf der Ebene das Jahr über relativ ruhig, bis ich mich im November bei einem bekannten Onlineportal anmeldete.
Das Ganze fing mehr im Scherz an und ging weniger von mir als von einer Freundin aus, die meinte, so könnte ich ja unter Umständen sehr einfach jemanden finden. Trotz der Tatsache, dass ich das Projekt nicht allzu ernst nahm, füllte ich doch mein Profil aus und lud ein paar Bilder hoch. Und tatsächlich bekam ich hier und da mal ein "Like", während ich mir Profile anschaute und wiederum ab und mal ein "Like" vergab.
Natürlich läuft das alles extrem oberflächlich ab, nicht wenige Profile bestehen aus nur einem Bild und haben keine weiteren Informationen angegeben. Und auch wenn mehr als ein Bild vorhanden ist, sind die zusätzlichen Profilangaben oft nicht oder nur sehr geringfügig ausgefüllt. Das macht eine ernstzunehmende Auswahl natürlich nicht einfacher, zumal mich die meisten der Bilder kein bisschen ansprechen.
Nichtsdestotrotz kam es dann zu ersten Kontakten, die aber nicht zu Treffen wurden. Wobei ein Treffen sogar schon geplant war, allerdings kam den Abend vorher eine etwas... interessante Absage. Na ja, mal sehen was die Zukunft so bringt. Ich nehme das wie erwähnt nicht sonderlich ernst.

Zu Weihnachten gab es ein paar schöne Überraschungen. Von meiner Mom bekam ich unter anderem das Brettspiel Jumanji, welches in den 90ern zum ersten Film veröffentlicht wurde (der mit Robin Williams). Das hatte ich damals auch schon, ich weiß auch nicht mehr, wie das wegkam. Es ist eine englische Version und minimal anders (der "Decoder" für die Karten fehlt, das ändert am Spielprinzip aber nichts), an sich aber das gleiche Spiel.
Auch von meiner Mutti erhielt ich sozusagen ein "To Go-Set" für meine Nintendo Switch, dessen drei Bestandteile ich mir bei einem großen Onlinehändler ausgesucht und auf eine Wunschliste gesetzt hatte. Dabei handelt es sich um ein Netzteil, eine Tasche und eine Hülle beziehungsweise Griffschale, in welche die Switch eingesetzt werden kann. Zum einen macht die das mobile Spielen angenehmer, zum anderen schützt sie das Gerät eben auch. Gut aussehen tut sie obendrein auch noch!

Hülle und Tasche sind vom gleichen Hersteller
Ja, es ist natürlich eine Folie auf dem Display
Auf der Fahrt nach Itzehoe zur Begehung des III. Weihnachtstages konnte ich das Set dann gleich einweihen mit dem ersten Teil der legendären Castlevania-Reihe.
Vor einer Weile habe ich mir die Anniversary Collection zugelegt, die insgesamt acht Titel der Serie beinhaltet, unter anderem die drei klassischen NES-Teile. Bis Jahresende hatte ich diese drei Spiele beendet sowie das großartige Super Castlevania IV für das SNES.
Am ersten Tag des neuen Jahres, also erst Mittwoch, spielte ich die beiden Game Boy-Titel Castlevania: The Adventure und Castlevania II: Belmont's Revenge durch. Gerade der zweite Teil fühlte sich nach dem etwas experimentell anmutenden ersten Titel (ich musste an Super Mario Land denken, was das anging) wieder sehr angenehm nach klassischeren Teilen der Serie an.
Grundsätzlich sehr hilfreich beim Spielen ist die Fähigkeit, an jeder beliebigen Stelle speichern zu können, was mich vor allzu großen Verlusten bewahrt und das Spielerlebnis doch erleichtert. Allerdings habe ich selbst gemerkt, dass ich dieses System teilweise arg extensiv genutzt und mir dadurch das Spielerlebnis an einigen Stellen eventuell doch etwas getrübt habe.
Was alle Serienteile gemeinsam haben, ist der ziemlich coole und eingängige Soundtrack. Einige Stücke sind über die Jahrzehnte derart populär geworden, dass sie sogar namentlich weithin bekannt sind. Beispiele hierfür sind Klassiker wie Vampire Killer, Bloody Tears oder Beginning.

Zum III. Weihnachtstag wurde ich dann auch mit einem als "nützlich" angekündigten Geschenk bedacht. In der Tat handelt es sich um einen durchaus nutzbaren und denkbar nützlichen Gegenstand, der nur in einer... ungewohnten Form daherkommt. Da ein Bild mehr sagt als tausend Worte, werde ich mir letztere sparen und ersteres präsentieren. Nur eins vielleicht - die englische Phrase "dick in a box" gewinnt dadurch eine ganz neuen Bedeutung.

Woho, Black Betty!
Ich sagte ja - nützlich!
Sagte ich anfangs so etwas wie "ein kurzer Rückblick"? Nun ja, es hätten auch über 13.000 Zeichen werden können...

Fun Fact: Als ich während der Arbeit an diesem Post in meiner Bachelorthesis blätterte, fiel mir natürlich direkt ein kleiner Formatierungsfehler auf (Klammern um den Namen eines zitierten Autors, wo gar keine sein sollten). Tja, niemand ist perfekt.

Sonntag, 20. Oktober 2019

You wouldn't get it

Gestern Nachmittag habe ich mit einer guten Freundin den neuen Joker-Film gesehen. Wir sind etwas geteilter Meinung, was das Erlebnis angeht. Kurze Warnung vorweg: Ich erwähne unter Umständen Details, die einem das eigene Erleben verderben könnten.

Die spoilerfreie Kurzfassung: Ich finde den Film grandios. Grandios düster, auf emotionaler Ebene ziemlich brachial und Joaquin Phoenix spielt Arthur Fleck unfassbar genial.

Über die ganz offensichtliche Sozialkritik, die im Film dargestellt wird, kann man durchaus geteilter Meinung sein. Nach Meinung des Jokers (im Comic The Killing Joke) braucht es nur einen schlechten Tag, um derart dem Wahnsinn zu verfallen wie er selbst.
Im Film sind es mehrere, gehäufte Ereignisse, die schließlich dazu führen, dass Arthur das titelgebende Pseudonym annimmt. Der Weg, den er während dieses Verfalls zurücklegt, ist eine einzige, emotionale Abwärtsspirale. Immer wieder zeigen Szenen die Gedankenwelt Arthurs, seine Wahnvorstellungen, idealisierte Situationen, in denen er sich selbst stets positiv projiziert. Die übrigen Bilder sind düster, stets drücken sie auf den Protagonisten, dessen Psyche schließlich an seinem Umfeld zerbricht - und er beginnt, dass, was er vorher als Tragödie wahrnahm, als Komödie zu sehen.

Selbst rein oberflächlich betrachtet und ohne tiefere Analyse der Ereignisse gefällt mir der Film richtig gut. Interessant wird es dann noch, die einzelnen Szenen, ihre Anordnung und mögliche Auswirkungen genau zu betrachten. Immerhin trägt der Film den Namen des Protagonisten, der definitiv kein Held ist - und dies laut eigener Aussage auch gar nicht sein will. Was im Endeffekt aber auch bedeutet, dass der Zuschauer jede Szene mit einer gewissen Skepsis betrachten sollte, da sie sich als weitere Wahnvorstellung des Jokers entpuppen könnte (es gibt Theorien darüber, dass der gesamte Film nichts als eine solche Illusion in der Psyche Flecks ist).
So oder so ein Film, bei dem sich mehrfache Sichtungen lohnen werden. Ein nicht übermäßig komplexer, aber durch seine fast schon Schlichtheit passender und atmosphärischer Soundtrack trägt einen Großteil dazu bei (und wie der geneigte Leser meines Blogs wissen wird, ist Musik für mich ja ein wichtiger Bestandteil).

Freitag, 31. Mai 2019

Danke für die Nachricht!

Da bekomme ich heute doch eine Mail von meiner Hochschulverwaltung, in der steht, ich könne jetzt meine Unterlagen abholen, auch meine Bachelorurkunde und -zeugnis seien erstellt. Ich gebe zu, ich war im ersten Moment tatsächlich etwas zwiegespalten: Auf der einen Seite natürlich erfreut, dass scheinbar alles gut gelaufen ist und meine Thesis offenbar für mindestens zufriedenstellend befunden wurde, auf der anderen Seite etwas genervt ob der fehlenden Benachrichtigung über die abschließende Benotung ebendieser Thesis.
Tja, als ich dann nachschaute, stellte ich zum einen fest, dass ich keine entsprechende Nachricht verpasst hatte - und zum anderen, dass meine Bachelorthesis nicht nur für zufriedenstellend, sondern offenbar für sehr geil befunden wurde. Zumindest ist das meine Interpretation des Ergebnisses von 1,0.

Und jetzt: Prost!

Samstag, 13. April 2019

It. Is. Done!

Welch geschichtsträchtiger Moment...
Freitag war spätester Abgabetermin für meine Bachelor-Thesis. Pflichtbewusst war ich sogar einen Tag früher dran und gab den Packen Papier (immerhin drei Ausführungen á 78 Seiten) am Donnerstag schon ab.
Das fertige Werk dann in ausgedruckter Form in den Händen zu halten war schon ein wenig surreal. Ich habe mir auch ein Exemplar für mich selbst drucken und binden lassen, damit ich mir in 50 Jahren nochmal durchlesen kann, was für einen Quatsch ich damals geschrieben habe.
Damit bin ich in der Theorie mit meinem Studium durch. Natürlich bleibt es spannend, bis die Benotung steht (wobei mein Prof schon vorsichtig optimistisch war), aber es fehlen keine Vorlesungen mehr oder dergleichen. Irre. Also heißt es jetzt:
PARTY! SEX! ALKOHOL!

...

Na ja, wohl eher Chillen auf dem Sofa, ein Glas Cola und eine Runde fünf gegen Willi. Aber ich würde ja...!

So sieht sowas also aus

Dienstag, 12. März 2019

Ein Monat noch...

... dann ist der späteste Abgabetermin für meine Bachelorthesis angesetzt. So langsam wird's spannend! Ich nähere mich zumindest der ersten Fassung des Theorieteils, danach sollte es hoffentlich fixer mit dem Rest gehen. Noch bin ich optimistisch!

Freitag, 15. Februar 2019

Feel not-good music

Ich weiß gar nicht, wieso ich es noch nicht erwähnt habe - dabei habe ich die Platte ja schon seit zwei Monaten (und veröffentlicht wurde sie ja schon weit vorher).
Die Rede ist von Post Traumatic von Mike Shinoda, dem Album auf dem Mike den Tod von Chester Bennington in musikalischer Form verarbeitet. Er hat sich auch ein paar Kollegen zur Unterstützung mit an Bord geholt und das Ergebnis ist grandios-melancholisch.

Selbstverständlich ist das keine Gute-Laune-Musik, die man nebenher abspielen kann oder auf einer Party zum Besten gibt. Gerade deswegen gefällt mir das Album aber so gut, da es sich eben so kontrastreich abhebt. So gut wie jeder Track gefällt mir und ich ertappe mich dabei, wie ich einige Tracks hin und wieder mitsinge. Ganz, ganz tolle Musik die unter die Haut geht, vor allem, wenn man mit dem Hintergrund vertraut ist und Chester vermisst.
Persönlicher Favorit: Hold it together, der neunte Track des Albums.

Freitag, 1. Februar 2019

Final Countdown

Gestern kam die erwartete E-Mail aus dem Fakultätsservicebüro der HAW: Meinem "Antrag auf Genehmigung einer Bachelorarbeit" wurde stattgegeben. Welch Freude! Nicht, dass ich mir deswegen ernsthaft Sorgen gemacht hätte...
Interessanter war da schon eine andere Information aus derselben Mail, das Anfangs- und Enddatum betreffend. Hochoffizieller Start ist heute, also der 02. Februar 2019 - Abgabe allerspätestens am 12. April diesen Jahres.
Heißt also, dass ab jetzt die (Denk-) Maschinen auf Hochtouren laufen müssen, um in den nächsten beiden Monaten da ein anständiges Werk zustande zu bringen. Chaka!

Mittwoch, 23. Januar 2019

Zeit läuft

Heute Mittag habe ich die Anmeldung für meine Bachelorthesis abgegeben. Sowohl Erst- als auch Zweitprüfer waren einverstanden, haben unterschrieben und dann ging das Blatt ans Büro. Sobald dort alle restlichen Infos eingetragen sind, bekomme ich die Nachricht mit dem Endtermin - zehn Wochen ab Startdatum. Das wird so Anfang April werden, wobei ich mir natürlich wünsche, noch vor meinem Geburtstag fertig zu werden. So oder so, die Zeit läuft!

Dienstag, 15. Januar 2019

Sometimes, just sometimes...

Wenngleich heute (man kennt vielleicht meine Einstellung, dass "morgen", also der nächste Tag, erst offiziell beginnt, wenn ich geschlafen habe (was momentan eher unwahrscheinlich ist)) kein sonderlich erbaulicher Tag war beziehungsweise ist, habe ich trotzdem eine Art "kreative Eingebung" gehabt. Basierend auf einer ziemlich profanen Erkenntnis hatte ich eine Idee, die ich versuchen wollte, umzusetzen.
Nach etwas Probieren kam ich dann auch langsam in Richtung dessen, was ich in meiner Vorstellung gesehen hatte. Ich konnte mich nicht hundertprozentig festlegen, deswegen habe ich Varianten erstellt. Hier die Endauswahl:

 

Man mag das wenig subtil nennen aber ehrlich gesagt, ist mir das ziemlich egal.

Immer wieder (und wieder und wieder und wieder...) grandios: Vigil.

Rainy Mood

So. This day happened. Holy fuck.

Eigentlich hatte ich gedacht, dass dieses Jahr ziemlich prima angefangen hat, auch wenn ich den Übergang dahin schlicht mit Essen vor dem Bildschirm verbracht habe. Aber nach der Schicht im Theater vorher (ich war erst gegen Viertel nach elf zuhause) und mangels entsprechender Planungen war mir nicht mehr groß nach weggehen. Egal, war auch in Ordnung, obwohl ich meine Anlage schon immer lauter drehen musste, um den Sprecher im Video zu verstehen, das ich beim Essen geschaut habe.

Dann habe ich endlich mal wieder Fortschritte mit meiner Thesis gemacht. Mein begleitender Professor ist auch wieder im Bild, meine ersten Seiten fand er sogar tatsächlich gut. Demnächst geht es dann an die Anmeldung, womit definitiv auch Zeitdruck entsteht. Immerhin bleibe ich am Ball und versuche, weiter voranzukommen.

Zeit ist dann auch der entscheidende Punkt. Um so viel Zeit wie möglich in dieses letzte, große Projekt meines Studiums stecken und es damit endgültig abschließen zu können, habe ich mich dann zu einem nicht ganz so erfreulichen Schritt durchgerungen. Ich berichtete ja im März letzten Jahres (einer von wahnsinnigen zwei (z-w-e-i) Posts aus 2018), dass ich mich zur Betriebsratswahl hatte aufstellen lassen. Was danach fehlte, war das Ergebnis.
Für mich etwas überraschend bekam ich eine ganze Menge Stimmen, sodass ich schlussendlich in den aktiven Betriebsrat gewählt wurde. Dort betätigte ich mich im Ausschuss für Arbeitssicherheit und wurde sogar zu dessen Vorsitzenden gewählt. Die Themen waren nicht immer ganz einfach und vor allem oft sehr langwierige Angelegenheiten (oder laufen sogar immer noch), trotzdem hat mir die Arbeit Spaß gemacht.
Heute habe ich dann meinen Rücktritt bekannt gegeben.
Bam.
Letztlich habe ich keine andere, einigermaßen effektive Zeitersparnis gesehen als diesen Schritt. Das klingt sehr hart und es macht mich auch nicht gerade sehr glücklich aber ich muss den Fokus jetzt ganz klar auf mein Studium setzen, wenn ich das (erfolgreich) beenden will. Deswegen habe ich auch gesagt, dass ich lieber aussteige, als ansonsten immer wieder absagen zu müssen und mich nicht mehr zu beteiligen. Es ist deutlich sinnvoller, dass dann jemand für mich nachrückt, der den Posten dementsprechend auch aktiv besetzt. Immerhin wurde meine Entscheidung zumindest ruhig aufgenommen und es gab nicht etwa Diskussionen darüber - zumindest nicht in meiner Anwesenheit.

Das war die eine Sache - und dann gab es da noch etwas, zeitlich vorher noch, was mich doch etwas aus der Bahn geschleudert hat.
Ich hatte in den letzten Wochen das Gefühl gehabt, jemandem langsam näherzukommen. Wir hatten uns auch schon privat getroffen und in dieser Woche war ein weiteres Treffen geplant. In die Planungen hinein erwähnte sie dann - glücklicherweise, müsste ich eigentlich sagen - dass sie darin aber nicht mehr als ein Treffen unter Freunden sieht.
Bam. Nummer 2. Wobei, chronologisch gesehen Nummer 1.
Während mein Herz versuchte, mir von innen heraus meine Rippen zu brechen, versuchte ich nach außen, meine Fassung zu wahren. Wir schrieben noch ein paar Nachrichten hin und her und sie war weiterhin sehr liebenswürdig dabei, trotzdem merkte ich, wie die Körperwärme meine Gliedmaßen verließ. Meine Finger begannen stark zu zittern und ich machte mir ernsthaft Sorgen darüber, das Haus zu verlassen (ich musste ja noch zur Betriebsratssitzung).
So richtig realisiert habe ich das ganze vermutlich noch nicht. Natürlich hatte ich die ganze Zeit über diese eklige, ätzende Stimme im Hinterkopf, die mir immer wieder mitteilte, was ich heute dann bestätigt bekommen habe. Tja, hätte ich mal nicht versucht, die Stimme so gut es geht zu ignorieren. Manchmal scheint die ja doch recht zu haben, so sehr ich würgen möchte, während ich das schreibe. Und wie ich würgen möchte. Geronnenes Blut. Habe ich vielleicht schon mal erwähnt. Scheiße, einfach... scheiße. Fuck. Shit. Piss.

Schön passend dazu: Rainy Mood, eine Seite, die beim Fokussieren unterstützen soll. Passt halt aber auch, wenn einem eher nach Heulen zumute ist. Wie meinte Gretchen Ross so schön? I guess some people are just born with tragedy in their blood.

Dienstag, 1. Januar 2019

(Re-) Start

Hmm.

Ganze zwei Posts im letzten Jahr. Davor vier. Fünf davor. Und fünf im Jahr davor. Immerhin 18 Stück vor fünf Jahren. Das sind 34 Posts innerhalb der letzten fünf Jahre.
Auch wenn mir die Quersumme natürlich verdammt gut gefällt (und sich selbst im Durchschnitt - gerundet - die gleiche Zahl ergibt), ist das echt nicht viel für den Zeitraum.
Ich will gar nicht wieder - wie zum Beispiel im März 2014 - darüber lamentieren, warum dies so ist oder etwa Besserung geloben (liest das hier überhaupt noch jemand?). Nicht, dass noch eine Erwartungshaltung gefördert wird!
Dennoch musste ich in letzter Zeit verstärkt an mein kleines "Online-Tagebuch" denken und daran, wie viel ich in der Zeit schrieb, als ich damit anfing. Ich bin mir nicht sicher, ob ich je wieder an die Zahl der Posts herankommen werde, die ich in den ersten Jahren erreicht habe, aber mehr als einer pro Quartal wäre doch ganz nett, oder nicht? Wie gesagt, keine Versprechungen, keine Erwartungen, keine falschen Hoffnungen - aber der ausdrückliche Wunsch von mir an mich, dieses Medium wieder mehr zu nutzen. Zählt das schon als guter Vorsatz? Na hoffentlich nicht...!

Donnerstag, 20. Juli 2017

Another one bites the dust

Heute wäre Chris Cornell 53 geworden. Wäre, weil er sich am 18. Mai diesen Jahres das Leben genommen hat.
Ein guter Freund von Chris Cornell war Chester Bennington. War, weil er sich heute das Leben genommen hat. Er wäre am 20. März nächstes Jahr 42 Jahre alt geworden.

Unter anderem durch Linkin Park bin ich damals auf den Geschmack gekommen, was härtere Musik angeht. Andere Bands folgten, ich bin ja generell recht offen was Musik angeht. Und dennoch, gerade die ersten beiden Alben - Hybrid Theory und Meteora - haben nach wie vor einen speziellen Platz in meinem Herzen. Noch heute kann ich die beiden CDs rauf und runter hören und viele der Songs haben eine sehr emotionale Bedeutung für mich (wie ich ja allgemein durch Musik recht einfach emotional beeinflussbar bin).
Mit den Jahre entwickelte sich die Band weiter, änderte ihren Stil, wurde teils elektronischer, dann zuletzt "softer", "poppiger". Als großer Fan der alten Stücke konnte und kann ich damit nicht ganz so viel anfangen (trotz alledem wird auch das vorerst letzte Album der Band seinen Weg in mein Regal finden). Aber man muss den Jungs lassen, dass sie immer ihren Weg gegangen sind und ihre Sache gemacht haben, aller Kritik zum Trotz.

So trifft mich die heutige, traurige Nachricht doch etwas mehr, als ich gedacht hätte. Ich hatte immer die Hoffnung, dass Linkin Park noch einmal zu ihren Wurzeln zurückkehren würden oder sich diesen zumindest wieder annähern. Dass noch ein Album kommt, dass einen ähnlichen Nerv bei mir trifft wie die ersten beiden.
Nun ist sicher, dass es nicht mehr dazu kommen wird. Selbst wenn die Band weitermacht, mit Mike als alleinigem Sänger oder gar einem neuen Frontmann, es wird nicht mehr Linkin Park sein. Das macht mich traurig.
Zum Glück habe ich wenigstens ein einziges Mal auf ein Konzert geschafft.

Passend dazu zwei Features: Crawling mit Chris Cornell und Hunger Strike mit Chester Bennington.



Find some peace and rest your soul.

Dienstag, 24. Januar 2017

Neuer, alter Glanz

Vor ein paar Jahren habe ich die Steuerungseinheit für die Beleuchtung im Memorabileum getauscht. Das erste Modul besaß zu wenig Speicherplatz um ein Programm abzulegen, mit welchem alle Ein- und Ausgänge des Hauptmoduls sowie der nötigen Erweiterung einzeln angesteuert werden konnten.
Ich hatte mir damals ein neues Hauptmodul besorgt, das auch über eine ganze Reihe Ein- und Ausgänge verfügt, um den Großteil der bestehenden Leuchten ansteuern zu können. Leider reicht dies aber nicht für alle derzeit angeschlossenen LED-Leisten, sodass der rechte Teil meiner Regale zuletzt stets im Dunkeln lag.
Nun habe ich vor kurzem ein passendes Erweiterungsmodul für einen vergleichsweise recht günstigen Preis bei eBay gefunden. Interessanterweise konnte man auch noch Preisvorschläge abgeben. In einem Anflug von Dreistigkeit gab ich ein Angebot ab, das deutlich unter dem genannten Preis lag und dachte mir nicht, dass darauf eine Antwort käme. Nicht nur kam eine Antwort, sie bestand auch noch aus der Annahme meines Angebots! Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Zwar war das eine etwas ungeplante Investition, dennoch bin ich ziemlich glücklich über das Schnäppchen; noch dazu, weil das Gerät noch originalverpackt war.
Mittlerweile ist das Modul auch bei mir eingetroffen, verbaut und die Steuerungssoftware aktualisiert, sodass wieder alle Leuchten geschaltet werden können. Somit kann der Teil des Memorabileums wieder im neuen, alten Glanz erstrahlen.
Es werde (wieder) Licht!

Dienstag, 3. Mai 2016

Die lebenden Toten

Vor ein paar Minuten lief der (vorerst) letzte Abspann der The Walking Dead-Reihe von Telltale über meinen Bildschirm. Ich ringe noch ein wenig um die richtigen Worte, deswegen fange ich mal mit ein paar kurzen Infos zu den Spielen selbst an.

Bisher sind zwei Staffeln der Geschichte um das junge Mädchen Clementine erschienen, in diesem Jahr soll die dritte Staffel veröffentlicht werden (darüber hinaus ist jüngst mit der dritten und letzten Folge die The Walking Dead: Michonne Miniserie komplett, die allerdings nichts mit Clementines Geschichte zu tun hat). Wie es in Telltale-Adventures mittlerweile gebräuchlich ist, erschienen die Staffeln in einzelnen Episoden, jeweils fünf an der Zahl. Wie bei einer Fernsehserie auch gibt es zu Beginn einer Episode einen kurzen Rückblick auf vorangegangene Folgen und am Ende ebenso einen Ausblick auf die nächste Folge.
Das eigentliche Gameplay beschränkt sich auf einige, wenige Interaktionsmöglichkeiten. In einigen Szenen kann der Spieler den Charakter in einem gewissen Raum bewegen und verschiedene Dinge anklicken, um sie zu untersuchen oder aufzunehmen. Außerdem finden sich fast immer andere Figuren, mit denen der Spielercharakter Dialoge führen kann. In diesen Dialogen kann der Spieler teilweise zwischen bis zu vier verschiedenen Optionen auswählen, um Fragen zu stellen, Antworten oder Ratschläge zu geben oder einfach nur Konversation zu führen.
An anderen Stellen muss der Spieler schnell reagieren, um zum Beispiel auf Zombies zu schießen, ihnen auszuweichen, jemandem zu helfen und so weiter. Im Kern handelt es sich also von der Spielmechanik her gesehen um ein relativ seichtes Point and Click-Adventure mit eingestreuten Quick Time Events.
Die Spiele stechen allerdings auch nicht durch ihr innovatives Gameplay hervor, sondern durch die Geschichte(n), die sie erzählen. Ab jetzt gilt: SPOILERGEFAHR!

Die erste Staffel beginnt relativ unaufgeregt mit einer Fahrt im Streifenwagen. Der Spielercharakter, Lee Everett wurde des Mordes an einem Senator verurteilt, der ein Verhältnis mit seiner Frau hatte. Die Fahrt endet sehr abrupt, als ein Zombie vor das Auto schlurft. Im Folgenden flieht Lee vor weiteren Zombies und trifft schließlich auf das Mädchen Clementine. Sie hat sich in ihrem Baumhaus versteckt, da die Babysitterin mittlerweile Hunger auf Menschenfleisch verspürt.
Ab diesem Zeitpunkt sind die beiden gemeinsam unterwegs und Lee tut alles, um Clementine zu schützen. Natürlich treffen die beiden auch auf weitere Überlebende, was mal mehr, mal weniger gut funktioniert und immer für sehr interessante Dialoge und teils auch zu treffende Entscheidungen sorgt. Das Zusammenspiel von Lee und Clementine ist dabei absolut großartig geschrieben und toll in Szene gesetzt. Besonders die Momente im späteren Verlauf der ersten Staffel, an denen Clementine verschwunden ist, sind nervenzerfetzend spannend. Ebenso wird es zum Ende der letzten Episode geradezu brutal emotional, denn Lee muss sich seinem Schicksal stellen, da auch er schlussendlich von einem Zombie gebissen wurde. Der letzte Wortwechsel zwischen dem erwachsenen Mann und dem kleinen Mädchen war unglaublich ergreifend und ich war schon ziemlich gerührt.
Auch der sehr schöne und atmospärisch stimmige Soundtrack trägt seinen Teil dazu bei, speziell dieser Track: Alive Inside, der in emotionalen Szenen immer wieder eingespielt wird.

In der zweiten Staffel steuert der Spieler die mittlerweile elfjährige Clementine, die anfangs mit Christa und Omid, Charakteren aus der ersten Staffel, unterwegs ist. Die anfängliche Unbeschwertheit weicht selbstverständlich schnell wieder Chaos und Tod. Durch den Sturz in einen Fluss wird Clementine mit anderen Charakteren zusammengebracht, die allerdings weniger sympathisch eingeführt werden. Zwar wird die Situation besser, doch erreicht die Qualität der Interaktion nie ganz das Niveau von Lee und Clementine.
Später trifft man sogar noch einen totgeglaubten Charakter aus der ersten Staffel wieder, welcher auch zu einem wichtigen Dreh- und Angelpunkt der Geschichte wird. Leider wird er auch zunehmend psychisch instabiler, was am Ende des Spiels dazu führen kann, dass Clementine ihn erschießt.

Durch immer wieder auftretende Entscheidungspunkte im Spiel erhöht sich der Wiederspielwert enorm. Die grundsätzliche Geschichte ändert sich in ihrem Verlauf nicht, allerdings hat man zum Beispiel die Wahl, einen von zwei Charakteren zu retten (was dann im Tod des anderen resultiert). Das ändert dann wiederum mögliche Dialogoptionen, Interaktionen mit anderen Figuren et cetera.
Die Speicherdaten aus der ersten Staffel (und dem zusätzlich verfügbaren DLC 400 Days) können dabei sogar in die zweite Staffel übernommen werden.

Ein paar Highlights aus den beiden Staffeln:
Ich habe Lee sich den Arm amputieren lassen (nach einem Zombiebiss)
Ich habe Lee sich und Clementine mit Zombie-Eingeweiden einschmieren lassen (um durch eine Zombiehorde gehen zu können)
Ich habe Clementine nach einem Angriff einen Hund töten lassen (der danach schwer verwundet im Sterben lag)
Ich habe Clementine dazu gebracht, mitanzusehen, wie Kenny mit einer Brechstange Carver so lange ins Gesicht schlug, bis nur noch blutiger Matsch übrig war (und er hatte es verdient)
Ich habe Clementine Kenny töten lassen (bevor er Jane töten konnte)

Als Fazit kann ich sagen: Ein wirklich, wirklich tolles Erlebnis. Stellenweise sehr, sehr emotional, bedrückend, rührend und unglaublich atmosphärisch. Mindestens die erste Staffel sollte man definitiv mal gespielt haben. Allerdings sollte man nicht allzu zart besaitet sein, da es hin und wieder schon recht brutal zugeht.

Donnerstag, 18. Februar 2016

Positive Melancholy

Dank Taken 3 (den ich gar nicht so schlecht fand, auf jeden Fall nicht so wie es einige Kritiken glauben lassen) habe ich mal wieder einen neuen Ohrwurm. Der Track aus dem Abspann, Ry & Frank Wiedemann - Howling (Âme Remix), hat es mir ziemlich angetan, nachdem er im Menü der Blu-ray schon kurz zu hören war.
Es ist ein Stück, zu dem sich mir direkt ein Bild einer nächtlichen Strandparty vor meinem inneren Auge formte, die gerade an einem etwas entspannteren Punkt angekommen ist. Es werden Cocktails genippt, ein paar Leute bewegen sich zur Musik im Sand, andere sitzen an Feuern und unterhalten sich mit ruhiger Stimme, wiederum andere genießen mit geschlossenen Augen und leichtem Kopfnicken einfach die Musik.
Ich stelle mir vor, wie ich in einem Liegestuhl liege und in den sternenerfüllten Himmel blicke, während ich versuche, keinen klaren Gedanken zu fassen, sondern mich einfach treiben zu lassen. Es ist eine Art Sehnen nach etwas nur schwer in Worte zu fassendem, nur eben nicht ausschließlich negativ, wie es der Melancholie oft nachgesagt wird.

Ein toller Track.

Montag, 9. Februar 2015

Warum nicht?

Eine Frage, die ich mir oft stelle. Viel zu oft. Warum kann ich dies nicht, warum geht das nicht. Auch heute wieder, obwohl ich ein echt geiles Konzert besucht habe, sucht mich auf dem Rückweg diese Frage heim.
Unter versuchter Zerstörung meiner Fingerknöchel an allerlei auf dem Weg liegenden Objekten frage ich mich wieder und wieder, warum ich nicht meine Gefühle einfach ausschalten kann. Warum ich nicht einfach mit dem, was ich habe, zufrieden sein kann. Warum ich immer traurig wegen dem bin, was ich eben nicht habe.
Warum kann ich gewisse Empfindungen, bestimmte Emotionen nicht abtöten, ausschalten, einfach nicht mehr haben? Es kotzt mich an, und ich verachte mich selbst für meine Schwäche.
Ich will doch einfach nur glücklich sein. Mir scheint es oft, als würde mir dazu etwas, oder besser, jemand fehlen. Aber ist das wirklich so? Oder bilde ich mir das nur ein? Rede ich mir das nur ein? Zerfrisst die empfundene Einsamkeit langsam meinen Verstand? Oder ist auch das nur Einbildung? Kann ich das gefrorene Stück verrotteten Fleisches, das sich einst mein Herz nannte, wirklich wieder in seinen Ursprungszustand versetzen? Und findet sich, irgendwann vielleicht, tatsächlich die Eine, die wagemutig und wahnsinnig genug ist, diesen Weg mit mir zu gehen?
Ich bezweifle es, nach wie vor. Und trotzdem will das Gefühl nicht absterben. Warum nicht?